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Der US-Krieg gegen den Iran ist ein US-Krieg gegen Multipolarität

Der Angriffskrieg, den die USA am 28. Februar 2026 gegen den Iran begonnen haben, ist nur die jüngste US-Aggression, die darauf abzielt, die multipolare Welt zu untergraben und zu zerstören.

von BRIAN BERLETIC, 3. April 2026

Die USA bedrohen nicht nur die Existenz des Iran als Nationalstaat sowie die Sicherheit ganz Westasiens – der Tod und die Zerstörung, die sie verursacht haben, wirken sich bereits auf die ganze Welt aus, da Energieexporte unterbrochen oder zunichte gemacht werden und die wirtschaftliche Stabilität rapide zerfällt.

Die USA – die selbst energieunabhängig sind – haben weite Teile der Welt in ein amerikanisches Energiemonopol gedrängt, indem sie Sanktionen gegen russische Energieexporte verhängt haben und nun alle anderen potenziellen Konkurrenten entweder unter ihre Kontrolle bringen, behindern oder vernichten.

Dazu gehört eine US-Invasion in Venezuela Anfang dieses Jahres, bei der der venezolanische Präsident entführt und die verbleibende Regierung in eine Art Geiselhaft genommen wurde, während die natürlichen Ressourcen des Landes – einschliesslich des Öls – offen für die Zwecke der USA beschlagnahmt werden.

Der derzeitige US-Angriffskrieg gegen den Iran richtet sich nicht nur gegen die iranische Energieproduktion, sondern hat auch zu einem regionalen Konflikt geführt, der die Energieproduktion im gesamten Persischen Golf beeinträchtigt oder vollständig zum Erliegen bringt.

Da die USA bei weitem keine ausreichenden Mengen an Öl und Flüssigerdgas (LNG) produzieren, um die unterbrochene oder zerstörte Energieerzeugung und die Exporte aus Westasien auszugleichen, wird es weltweit zu Energieknappheit und damit zu einem Einbruch sowohl der Industrie als auch der Verbrauchernachfrage kommen.

Der Teil der Welt, der sich kollektiv der Vorherrschaft der USA entrissen hat, sieht sich nun der Gefahr ausgesetzt, von den USA gezielt destabilisiert und in den Abgrund gerissen zu werden.

Die USA, die nicht in der Lage sind, sich in der Weltordnung zu behaupten, die sie nach den Weltkriegen selbst geschaffen haben, haben beschlossen, ihre verbleibende militärische, wirtschaftliche, finanzielle und politische Macht einzusetzen, um diese Weltordnung zu zerstören – in der Hoffnung, sich aus den Trümmern erneut als «die Stärksten» zu erheben.

Das ist keine obskure Theorie, sondern eine Beobachtung, die sogar Russlands oberster Diplomat, Aussenminister Sergei Lawrow, gemacht hat, der kürzlich in einem Interview erklärte, dass «die Ereignisse in Lateinamerika und im Mittleren Osten direkt auf die Versuche des Westens zurückzuführen sind, die Überreste seiner Vorherrschaft zu bewahren» und dass «die Eliten der westlichen Länder weiterhin alle politischen und wirtschaftlichen Ressourcen, die ihnen noch zur Verfügung stehen, in ihre Konfrontation mit unserem Land investieren».

Es handelt sich keineswegs um einen Last-Minute-Plan: Die USA haben einen Grossteil des 21. Jahrhunderts damit verbracht, sich nicht nur auf den derzeitigen Krieg mit dem Iran vorzubereiten, sondern auch auf ihren andauernden Stellvertreterkrieg mit Russland in der Ukraine und ihre fortschreitende Umzingelung Chinas im asiatisch-pazifischen Raum – wobei sie alle wichtigen Säulen der Multipolarität und viele dazwischen ins Visier genommen haben.

Auf dem Weg nach Persien

Um den Iran einzukreisen und zu schwächen, marschierten die USA unter der Regierung von George W. Bush im Jahr 2001 in Afghanistan im Osten und 2003 im Irak im Westen des Landes ein. Während derselben Amtszeit begann die US-Regierung, extremistische Truppen darauf vorzubereiten, einen Stellvertreterkrieg gegen den Iran und seine regionalen Verbündeten zu führen, darunter die Hisbollah im Südlibanon, Syrien und die Ansar Allah im Jemen.

Während der Amtszeit von Obama, spätestens ab 2008, begannen die USA, Oppositionsgruppen in der gesamten arabischen Welt für den sogenannten «Arabischen Frühling» im Jahr 2011 auszubilden und auszurüsten.

Zusammen mit den Extremistenarmeen, die unter der vorherigen Bush-Jr.-Regierung aufgebaut worden waren, dienten die von den USA inszenierten Proteste und organisierte Gewalt als Vorwand, um in der Region Chaos zu stiften, woraus Kriege und Stellvertreterkriege der USA gegen Libyen, den Jemen und Syrien resultierten, die zum Zusammenbruch der drei Länder als einheitliche Nationalstaaten führten.

Zwar unterzeichnete dieselbe Obama-Regierung 2012 das sogenannte «Iran-Atomabkommen», doch bereits in US-Strategiepapieren aus dem Jahr 2009 war vorgesehen, diese Art der Diplomatie nicht zur Vermeidung eines Krieges, sondern als Vorwand für einen Krieg zu nutzen.

Ein solches Papier, veröffentlicht von der Brookings Institution, mit dem Titel «Which Path to Persia?», stellte fest, dass «das ideale Szenario in diesem Fall wäre, dass die Vereinigten Staaten und die internationale Gemeinschaft ein Paket mit positiven Anreizen vorlegen würde, das so verlockend ist, dass die iranische Bevölkerung das Abkommen unterstützen würde, nur damit das Regime es ablehnt», und fügte hinzu: «Unter diesen Umständen könnten die Vereinigten Staaten (oder Israel) ihre Operationen so darstellen, als seien sie aus Bedauern und nicht aus Wut unternommen worden, und zumindest ein Teil der internationalen Gemeinschaft würde zu dem Schluss kommen, dass die Iraner es ‹selbst verschuldet› hätten, indem sie ein sehr gutes Abkommen abgelehnt hätten.»

Und genau das ist geschehen: Im Jahr 2018, unter der ersten Trump-Regierung, wurde das Abkommen von den USA einseitig gekündigt, nachdem sie den Iran grundlos beschuldigt hatten, gegen die Bedingungen des Abkommens verstossen zu haben, um dann «maximalen Druck» auf den Iran auszuüben – als Vorbereitung auf den Krieg, den die USA derzeit gegen den Iran führen.

Im Jahr 2024, als die syrische Regierung unter der Biden-Regierung zusammenbrach, wurde Syriens hochmodernes integriertes Luftabwehrnetzwerk zerstört, was zur Entstehung offener Luftkorridore zum Iran führte und fast unmittelbar darauf zu direkten US-israelischen Angriffen in den Jahren 2024–2025 – und natürlich auch in diesem Jahr.

Der derzeitige Krieg gegen den Iran ist nur ein Teil einer umfassenderen globalen Strategie, die darauf abzielt, die multipolare Welt zu destabilisieren und zu zerstören, bevor die ansonsten unvermeidliche Verdrängung der unipolaren Vorherrschaft der USA eintritt.

Russland überdehnen

Russland, eine weitere zentrale Säule der aufkommenden Multipolarität, wird seit dem Ende des Kalten Krieges von der US-geführten NATO-Erweiterung belagert.

Im Laufe des 21. Jahrhunderts haben die USA Länder an der Peripherie Russlands systematisch destabilisiert und versucht, sie politisch unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter Serbien im Jahr 2000, Georgien im Jahr 2003 sowie bei gescheiterten Versuchen in Belarus und der Ukraine in den Jahren 2001 bzw. 2004.

Nach der Einnahme Georgiens im Jahr 2003 wurde das Land von den USA sofort militarisiert und zu einem Rammbock gegen das benachbarte Russland verwandelt, was 2008 in einem Krieg gipfelte, der laut eigenen Ermittlungen der Europäischen Union vom US-unterstützten Georgien provoziert worden war.

Im Jahr 2014 hatten die USA auch die Ukraine erfolgreich eingenommen und begannen sofort, sie in einem viel grösseren Umfang zu militarisieren als Georgien in den Jahren 2003–2008. Dazu gehörten nicht nur die Umstrukturierung und Ausbildung des ukrainischen Militärs, sondern auch die Übernahme und Kontrolle der ukrainischen Sicherheits- und Geheimdienste durch die US-amerikanische Central Intelligence Agency (CIA).

Im Jahr 2017, unter der ersten Amtszeit von Trump, begannen die USA, die Ukraine offen mit Waffen zu beliefern – wahrscheinlich die endgültige Überschreitung der roten Linie, die Russland zu einem Präventivschlag zwang, bevor ein weiterer Krieg nach dem Vorbild von Georgien 2008 gegen das Land entfesselt wurde – diesmal jedoch in einem viel grösseren und gefährlicheren Ausmass.

Der daraus resultierende Krieg beanspruchte enorme russische Ressourcen und Aufmerksamkeit, wodurch die Fähigkeit Russlands, die Stabilität in Syrien aufrechtzuerhalten, untergraben wurde; vermutlich trug er dazu bei, dass die syrische Regierung 2024 zusammenbrach, und ebnete damit den Weg für den heutigen direkten Krieg der USA gegen den Iran.

Sowohl der von den USA angezettelte Stellvertreterkrieg in der Ukraine als auch der verstärkte Druck auf Syrien wurden in einem Papier der RAND Corporation aus dem Jahr 2019 mit dem Titel «Extending Russia» dargelegt. Beide Szenarien zielten – ebenso wie viele andere Optionen, die seitdem gegen Russland umgesetzt wurden – darauf ab, Russland zu schwächen und letztendlich einen Zusammenbruch nach sowjetischem Vorbild herbeizuführen.

Während des andauernden US-Stellvertreterkriegs gegen Russland in der Ukraine hat die CIA ferngesteuerte Drohnenangriffe auf russische Energieproduktionsanlagen tief im russischen Hoheitsgebiet koordiniert und geleitet sowie Drohnenangriffe auf Tanker durchgeführt, die russische Energieexporte transportierten.

Zusammengenommen ergeben die US-Invasion in Venezuela, der anhaltende Krieg gegen den Iran und die Angriffe auf die russische Energieproduktion und -exporte ein beunruhigendes Muster: Die wichtigsten Energiepartner Chinas werden weltweit in Beschlag genommen, zerstört oder geschwächt.

China blockieren

Die USA greifen nicht nur Chinas grösste und wichtigste Energiepartner an, sondern versuchen seit Jahren auch, die unmittelbaren Nachbarregionen Chinas und sogar das chinesische Staatsgebiet selbst zu destabilisieren, zu zerstören oder dort gezielt Konflikte zu schüren.

Dazu gehören der jahrelange Terrorismus gegen die chinesische Region Xinjiang, die von den USA unterstützten Ausschreitungen in Hongkong noch im Jahr 2019 sowie die Unterstützung und Bewaffnung der separatistischen Regierung auf der chinesischen Inselprovinz Taiwan.

Über Chinas eigenes Staatsgebiet hinaus haben die USA seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs jahrzehntelang versucht, Länder politisch zu vereinnahmen und sie an drei Fronten – Japan-Korea, Indien-Pakistan und Südostasien – als Rammböcke gegen China einzusetzen. Dazu gehören auch die Philippinen, die moderne Infrastrukturprojekte mit China abgebrochen und ihre nationalen Ressourcen umgelenkt haben, um die militärische Präsenz der USA in der ehemaligen US-Kolonie auszubauen und die Konfrontation mit China im Südchinesischen Meer zu verschärfen.

In Myanmar und Pakistan, die näher an Chinas Grenzen liegen, haben die USA Terroristen dabei unterstützt, wichtige Bestandteile der chinesischen «Belt and Road Initiative» (BRI) anzugreifen, darunter die Pipelines zwischen Myanmar und China, deren Bombardierung während eines offenen Konflikts mit China bereits in früheren US-Strategiepapieren – darunter einem Artikel der «US Naval War College Review» aus dem Jahr 2018 – als Teil einer umfassenderen «maritimen Ölblockade» gegen China vorgeschlagen worden war.

Statt auf einen offenen Konflikt mit China zu warten, haben US-unterstützte Terroristen die Pipelines seit Jahren wiederholt angegriffen, unter anderem im vergangenen Jahr.

Anfang dieses Jahres wurden ein US-Amerikaner und mehrere Ukrainer dabei erwischt, wie sie Drohnen nach Myanmar schmuggelten, um US-unterstützte Oppositionsgruppen dabei zu unterstützen, die chinafreundliche Zentralregierung zu stürzen.

Insgesamt betrachtet führen die USA Kriege und Stellvertreterkriege gegen Chinas wichtigste Verbündete und betreiben zudem einen schmutzigen Krieg entlang der gesamten chinesischen Grenze und sogar innerhalb Chinas.

Der jüngste Krieg gegen den Iran, der gegen den Grossteil der chinesischen Energieimporte aus dem Ausland gerichtet ist, zielt darauf ab, Chinas wirtschaftliche Entwicklung so stark wie möglich zu schädigen, bevor sich das 5- bis 10-jährige Zeitfenster schliesst und China energieunabhängig wird.

China hat sich vorbereitet

China ist sich der jahrzehntelangen Bemühungen der USA, das Land zu isolieren, sehr wohl bewusst und hat sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene in entsprechende Vorbereitungen und Abwehrmassnahmen investiert.

Die vom US Naval Review College im Jahr 2018 vorgeschlagene Blockade der Strasse von Malakka ist heute wahrscheinlich nicht mehr durchführbar, da Chinas Militärmacht seitdem drastisch gewachsen ist. China verfügt nicht nur über eine weitaus grössere und leistungsfähigere Raketenstreitmacht, sondern auch über eine grössere Marine als die Vereinigten Staaten und hat seine Seestreitkräfte im asiatisch-pazifischen Raum konzentriert.

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die USA stattdessen eine Blockade der Strasse von Hormus – weit entfernt von den militärischen Kapazitäten Chinas – provoziert haben. Aber auch darauf scheint sich China vorbereitet zu haben.

China hat riesige strategische Rohölreserven aufgebaut, erweitert rasch die Produktion von Flüssigbrennstoffen aus Kohle und hat in einem in der Menschheitsgeschichte beispiellosen Ausmass in erneuerbare Energiequellen investiert.

Zwar sind die meisten Fahrzeuge auf chinesischen Strassen nach wie vor auf Kraftstoffe aus Erdöl angewiesen, doch über 50 Prozent aller neuen PW, LW und Motorräder sind elektrisch betrieben. China verfügt über das grösste und schnellste Personenbahnnetz der Welt sowie über die leistungsstärksten elektrischen Güterlokomotiven, die je gebaut wurden.

Während die Vereinigten Staaten offenbar einen drastischen globalen Vorstoss gegen China und dessen Netzwerk aus Partnern und Verbündeten unternehmen, hat sich China jahrzehntelang genau auf dieses Szenario vorbereitet.

Zu klären bleibt, ob die Fähigkeit der USA, weltweit Tod und Zerstörung zu verursachen, die Widerstandsfähigkeit Chinas und die wirtschaftliche, technologische und zivilisatorische Expansionskraft der multipolaren Welt übertreffen kann. Nur die Zeit wird es mit Sicherheit zeigen.

Brian Berletic ist ein geopolitischer Forscher und Autor mit Sitz in Bangkok.

Quelle: New Eastern Outlook. Übersetzt mit Hilfe von DeepL.