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Die beiden Kontrahenten Péter Magyar und Viktor Orbán an einer Plenarsitzung in Brüssel. Der Wahlsieger kommt ebenfalls aus der Fidesz-Küche und war lange nahe am Machtzentrum. Bis zur Gründung seiner eigenen Partei Tisza 2024 hatte Magyar gut dotierte Positionen im öffentlichen Bereich inne. Fotonachweis.

Was haben Linke über Orbáns Wahl­niederlage eigentlich zu jubeln?

von MASSIMILIANO AY, politischer Sekretär der Kommunistischen Partei

Innerhalb der europäischen Linken jubeln manche über Orbáns Niederlage in Ungarn. Es handelt sich überwiegend um Leute, die auf Kommando emotional reagieren: Was die EU sagt und was die Mainstream-Medien verbreiten, plappern sie wie Papageien nach! Sie begreifen nicht, was bei den Wahlen in Ungarn wirklich passiert ist:

  1. Der Sieger ist ein überzeugter rechter, opportunistischer Neoliberaler, der bis 2024 Orbán in bester Verbundenheit nahestand, sich aber im richtigen Moment der EU und der NATO zuwandte, weil er Krieg will!
  2. Der Wahlsieger ist ein Zionist und steht darin Orbán in nichts nach, so sehr, dass er in der Israel Times für seine Verbindungen zu Tel Aviv gefeiert wurde;
  3. Das Mitte-Links-Bündnis unter Führung der Sozialdemokraten (ebenfalls proeuropäisch, aber nun für Brüssels Pläne nutzlos) verlor alle (alle!) ihre 57 Sitze im Parlament, weil es von der EU angewiesen wurde, sich still zu halten [um die Chancen der Tisza nicht zu gefährden]. Und so gibt es im neuen Parlament dieses einst «demokratischen» Ungarns nur noch drei Fraktionen, die sich politisch wie folgt verteilen: 6 faschistische Abgeordnete, 55 Abgeordnete von Orbáns souveränistischen Rechten und 138 Abgeordnete der proeuropäischen liberalen Rechten;
  4. Während es unter dem «illiberalen Regime» zuvor im Parlament mit bis zu acht Fraktionen, darunter Sozialdemokraten und ethnische Minderheiten, noch mehr Raum für Debatten gab, sieht es heute, da die «Freiheit» zurückgekehrt ist, für den Pluralismus deutlich schlechter aus.
  5. Gewonnen hat der Kandidat, der im Gegensatz zu Orbán (der einen Krieg gegen Russland ablehnt) das irrsinnige Wettrüsten der EU/NATO und die Finanzierung des faschistischen ukrainischen Regimes unterstützen will!

Mit Orbáns Niederlage ist die EU nun tatsächlich geeint – aber im Sinne von Militarisierung und Krieg! Kann mir jemand aus linker Sicht erklären, was daran zu feiern ist?

Und kommt mir nicht mit der Faschismus-Antifaschismus-Debatte! Die hat damit absolut nichts zu tun und lenkt in Wirklichkeit nur die Wähler ab. Der Widerspruch ist ein ganz anderer: Neutralität oder Krieg!

13. April 2026