«Es geht hier einmal mehr um eine Volksinitiative, die von einer urban geprägten Sicht auf die Landwirtschaft ausgeht und weit neben der Realität liegt, in der Bäuerinnen, Bauern und Viehhalter täglich leben»: Als Agronomin und Exekutivmitglied der Bleniotal-Gemeinde Serravalle, die in ihrem ausgedehnten Gebiet viel alpine Landwirtschaft umfasst, weiss Grossrätin Lea Ferrari, wovon sie spricht.
Ernährungsvorlage: Nein zur x-ten «grünen» Initiative gegen Bauern und Viehhalter
von LEA FERRARI, Grossrätin der KP im Kanton Tessin
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung», über die wir am kommenden 27. September abstimmen, verfolgt ein Ziel, das die Kommunistische Partei teilt: Eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei Lebensmitteln auf 70 Prozent wäre tatsächlich wichtig. Mit den vorgeschlagenen Mitteln, wie man dieses Ziel zu erreichen will, kann die Partei hingegen überhaupt nicht einverstanden sein.
Hinter einem grundsätzlich richtigen Anliegen – das im Übrigen im Konzept der Partei zur Ernährungssouveränität enthalten ist, für dessen Verankerung in der Tessiner Kantonsverfassung sich gerade unsere Partei eingesetzt hat und das dank dem Volkswillen aufgenommen wurde – verbergen sich jedoch weitere Forderungen, die das Schweizer Volk bei früheren Abstimmungen zu Recht bereits verworfen hat. Dazu gehört beispielsweise die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung», der die Kommunistische Partei bereits mit Skepsis begegnete, da sie landwirtschaftlichen Betrieben insbesondere in peripheren Gebieten wirtschaftlich nicht tragbare Produktionskosten auferlegt hätte.
Auch bei den vorgeschlagenen Massnahmen zur Stärkung der Selbstversorgung vertritt die KP eine andere Position. Da wir der Lebensrealität in den Schweizer Alpentälern und der dort arbeitenden Bäuerinnen und Bauern nahe sind, ist uns bewusst, dass die heutigen Weideflächen auf 1500 Metern Höhe nicht einfach für den Ackerbau genutzt werden können: Ohne Nutztiere könnten diese Flächen realistischerweise nicht für die Lebensmittelproduktion verwendet werden. Nicht ohne Grund werden sie seit Jahrhunderten sinnvollerweise zur Herstellung von Alpkäse mit hervorragenden geschmacklichen und qualitativen Eigenschaften genutzt.
Es handelt sich letztlich um eine Initiative, die mit dem üblichen «grünen» Idealismus indirekt die Viehhaltung und den Konsum tierischer Lebensmittel erschweren will. Einmal mehr stehen wir vor einer Volksinitiative, die von einer urban geprägten Sicht auf die Landwirtschaft beeinflusst ist und weit von der Realität entfernt bleibt, welche Bäuerinnen, Bauern und Viehhalter täglich erleben.
Der Vorschlag verkennt sowohl die grosse Palette an Produktionsmöglichkeiten, die sich aus der geografischen und klimatischen Vielfalt unseres Landes ergibt, als auch die Tatsache, dass die Viehhaltung in den Bergregionen eine inhärente und nicht wegzudenkende Funktion erfüllt. Die Skaleneffekte der grossen Ebenen [d. h. der Preisdruck aufgrund günstigerer Produktionsbedingungen] gefährden dagegen die hochqualitative Milch- und Käsewirtschaft auf der Alpensüdseite, weil sie den Markt mit Produkten überschwemmen und den Erzeugnissen unserer Berggebiete den Zugang erschweren. Diese sind kulturell weniger etabliert und verlangen von den landwirtschaftlichen Unternehmerinnen und Unternehmern deutlich mehr Arbeit, Fachwissen und Erfahrung.
Die Kommunistische Partei bleibt deshalb überzeugt, dass die Ernährungssouveränität mit konkreten Massnahmen umgesetzt werden muss. Sie ist der richtige Ansatz, um vielfältige und ausgewogene Konsumgewohnheiten zu schützen, anstatt eine monotone Ernährung zu fördern. Sie trägt den unterschiedlichen Gegebenheiten unserer Regionen Rechnung und schöpft deren Ernährungspotenzial besser aus – und zwar so, dass eine gesunde und vielfältige Ernährung auch für Menschen mit geringerem Einkommen sozial zugänglich bleibt.
Ernährungssouveränität bedeutet keine endlosen Sojafelder. Sie bedeutet vielmehr, lokale und ökologisch nachhaltigere Wertschöpfungsketten zu unterstützen, deren Nutzen unmittelbar in die Schweizer Wirtschaft zurückfliesst, anstatt Lebensmittel mit Lastwagen über Tausende von Kilometern zu transportieren – mit negativen und untragbaren Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und die Umwelt.
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→ Junglandwirte und Jungpolitiker im Dialog. Kommunisten stehen hinter Ernährungssouveränität!