Omen einer griechischen Tragödie: Kapitalismus, Krankheit und Tod

Wie die britische Medizinzeitschrift The Lancet berichtet, haben die Kürzungen der staatlichen Gesundheitsausgaben in Griechenland zusammen mit der Verarmung breiter Bevölkerungsschichten schon heute zu einem besorgniserregenden Rückschritt bei den Gesundheitsindikatoren geführt.

Der Mangel an Mitteln wird noch verschlimmert durch einen Ansturm auf die öffentlichen Gesundheitsdienste, welcher darauf zurückgeht, dass viele Griechen ihre Ansprüche auf Deckung aus privatrechtlichen Systemen verloren haben. Zwischen 2009 und 2010 stieg die Zahl der Spitalbehandlungen des staatlichen Systems um 24 Prozent und im ersten Halbjahr 2011 nochmals um 8 Prozent. Die offiziell gemessene Arbeitslosigkeit Griechenlands liegt über 16 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit um die 40 Prozent. Für die öffentliche Gesundheit stellen Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut selbstverständlich grosse Risiken dar.

In den überlasteten Spitälern bilden sich Warteschlangen, welche den Kranken die Konsultation der Gesundheitsdienste erschweren und auch demotivierend wirken. Auch wo ein Arzt- oder Zahnarztbesuch ratsam wäre, verzichten viele. Die Streichung von Spritzenaustausch-Programmen für Heroinabhängige haben innert Jahresfrist zu einer Verdoppelung der HIV-Fälle in dieser Gruppe geführt, die in der gleichen Zeitspanne um 20 Prozent gewachsen ist.

Alarmierend ist auch die Zunahme der Selbstmorde. Zwischen 2007 und 2009 wurde eine Zunahme um 17 Prozent verzeichnet. Im Jahr 2010 stieg die Zahl nochmals um 25 Prozent. Im ersten Halbjahr 2011 stieg die Zahl der Selbstmorde im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode wiederum um 40 Prozent an! Die persönliche Überschuldung scheint einer der Schlüsselfaktoren, die diese Entwicklung bestimmen.

Da vielen Griechen auch der Zugang zu präventiven Diensten verwehrt oder erschwert wird, sind zusätzliche negative Auswirkungen auf die Gesundheitskosten zu erwarten.

(14.10.2011/mh)

Quelle: The Lancet: Health effects of financial crisis - omens of a Greek tragedy (10.10.2011)



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