ETA-Terror zum 50. Jahrestag?
Zwei Bombenanschläge haben am Mittwoch und Donnerstag Spanien erschüttert. In Verdacht geriet die baskische Terror-Organisation ETA, die am Freitag den 50. Jahrestag ihrer Gründung feierte. Auf der Insel Mallorca wurden zwei Angehörige der Guardia civil getötet. Über die spanischen Medien wird nach zwei jungen Basken gefahndet, die in Palma einquartiert waren. Zudem wurde eine Reihe von Steckbriefen von mutmasslichen ETA-Mitgliedern veröffentlicht. Die Kirchenglocken läuteten in ganz Spanien, als die Zivilgarden beigesetzt wurde, Kirchenfürsten versammelten sich am Grab. Dito der Regierungschef und der Oppositionsführer, welche mit Ehrenmedaillen zum Oberdraufsetzen auf die Särge erschienen. Kronprinz Felipe fehlte nicht. Einem russischen Experten kommt das Ganze ziemlich spanisch vor. Er verweist auf ausländische Geheimdienste! (31.07.2009)
Solotarjow: «Hier stimmt etwas nicht!»
MOSKAU, 30. Juli (RIA Novosti). Pawel Solotarjow ist stellvertretender Direktor des Instituts für USA und Kanada, Professor an der Akademie für Militärwissenschaften und Präsident des Fonds zur Förderung der Militärreform. Er sieht hinter den Explosionen, bei denen zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden, ausländische Geheimdienste.
RIA Novosti: Wen sehen Sie hinter den Anschlägen in Spanien? – Solotarjow: Es wird vermutet, dass hinter den Explosionen die terroristische Gruppe ETA steckt. Doch erhebt sich die Frage nach möglichen Unterwasserströmungen. Das um so mehr, weil die ETA bislang noch nie so blutgierig war. Ich bin jetzt nicht dazu bereit, irgendwelche geopolitischen Analysen zu machen. Doch etwas stimmt hier nicht.
RIA Novosti: Ist das irgendwie mit dem 50. Jahrestag der ETA verbunden? – Solotarjow: Die ETA hat so etwas nicht nötig, wenn sie tatsächlich für die Unabhängigkeit der Basken kämpft. Es steckt etwas ganz anderes dahinter. Meines Erachtens sind Geheimdienste eines anderen Staates darin verwickelt. Geheimdienste sind mit Terrororganisationen und kriminellen Gruppierungen verbunden, denn sie müssen dort Agenten haben. Manchmal verwischt sich die Grenze zwischen der Vorgehensweise der Geheimdienste und der der Terrororganisationen. Ein konkretes Beispiel ist das Vorgehen der amerikanischen Geheimdienste im Kosovo. Ähnlich ist man im indischen Mumbai vorgegangen, wo um den Einfluss in der Region gerungen wird. Jetzt passiert etwas um Spanien.
RIA Novosti: Also, Sie verbinden das nicht mit dem morgigen Jahrestag? – Solotarjow: Nein. Wer diese Anschläge nötig hatte, brauchte sie zum Zeitpunkt des Jubiläums. Ich bin überzeugt: Die Basken und ihre Organisation ETA haben das nicht nötig. In vielen Fällen spielt die Verbindung mit Geheimdiensten eine Rolle. Deshalb ist die Kontrolle über die Geheimdienste wichtig. Das ist ein Problem im Westen und nicht nur im Westen. Aufklärungs- und Geheimdienste müssen einerseits berechtigt sein und sind berechtigt, Spezialoperationen durchzuführen. Andererseits, wenn sie nicht vom Staat kontrolliert werden, kann man von ihnen alles erwarten.
Quelle: RIA Novosti – Analysen und Kommentare: Terror in Spanien – Russischer Experte verdächtigt ausländische Geheimdienste