Ângelo Alves: Die Mauer von Berlin


Aus dem «Avante!», Zentralorgan der Portugiesischen Kommunistischen Partei PCP, (12.11.2009):


Die mit massivem Medieneinsatz verbreitete politische, ideologische, institutionelle und mediale Kampagne rund um den sogenannten Mauerfall wurde von einer bemerkenswerten “Heiligen Allianz” von Antikommunisten geführt, die von der extremen Rechten, über die Rechte, die Sozialdemokratie, Ex-Kommunisten bis zur sogenannten “Neuen Linken” reicht.

Die herrschenden Klassen greifen einmal mehr zur Revision der Geschichte, um mit diesen “Gedenkfeiern” eine gigantische Farse aufzurichten, die versucht, das Ereignis wie eine «Revolution», einen Sieg des “Guten” über das “Böse”, einen Akt der “Befreiung” hinzustellen, und zugleich die Geschichte und die realen Gründe des Mauerbaus wie die Provokationen und die feindlichen militärischen und Spionageaktionen der USA, Grossbritanniens und Frankreichs gegen die DDR und das sozialistische Lager zu verheimlichen, welche sich schon zu Beginn der Nachkriegszeit abzeichneten.

Man hört einmal mehr Reden über Freiheit und Demokratie. Aber jene, die sie im Mund führen, sind dieselben, die mit der Macht ihrer Armeen die Freiheit und Souveränität mehrerer Völker erdrücken; es sind dieselben, die an den verschiedensten Punkten der Erde entführen und foltern; die die Gemetzel und Verbrechen Israels unterstützen und finanzieren, die unter dem Tisch die Putschisten in Honduras unterstützen, die in Europa die Demokratie und den geäusserten Willen der Völker zermalmen.

Man hört einmal mehr das Triumphgeschrei des Kapitalismus über die definitive Niederlage des Sozialismus. Deswegen wird das wirtschaftliche und soziale Desaster versteckt, das aus den zwei Jahrzehnten der Wiedereinführung des Kapitalismus in Osteuropa resultierte. Die Anerkennung der realen Errungenschaften des Sozialismus in der DDR (Vollbeschäftigung, ausgezeichnetes Bildungssystem, allgemeiner Zugang zu Kultur und Sport, allgemeine und kostenlose Gesundheitsversorgung, Wohnung zu sehr tiefen Preisen, und andere mehr) ist ein Tabuthema. Tabu ist auch die Anerkennung der wiederholten Umfragen und Studien, die in Ostdeutschland und anderen ex-sozialistischen Ländern gemacht wurden, und nach denen eine Mehrheit der Befragten angeben, heute schlechter zu leben als in der Zeit des Sozialismus.2

Der Inhalt, die Hauptdarsteller und der Stil dieser weltweiten Kampagne sagt vieles über die Zeiten, in denen wir leben, über die Ziele der Hintermänner und über ihr bevorzugten Angriffsziel: die Kommunisten und die Fähigkeit der Völker, zu träumen, zu kämpfen und eine reale mögliche Alternative zum Kapitalismus und zur ihn zerfressenden tiefen Krise zu verwirklichen – den Sozialismus. Aber der Wettlauf, in den die Fukuyamas1 dieser Welt aus Anlass der 20 Jahre des “Mauerfalls” eingetreten sind, ist kein Zeichen von Sicherheit. Es ist ein Signal der Schwäche.

Ângelo Alves ist Mitglied der Politischen Kommission des ZK der PCP

Quelle/Original: O Muro de Berlim (Jornal «Avante!», Nº 1876, 12 de novembro 2009) | Übersetzung: kommunisten.ch

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Anmerkungen des Übersetzers:

1 Francis Fukuyama, US-Hochschulprofessor, Autor von “The End of History and the Last Man”, 1992

2 siehe: pewglobal.org

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Die Graphik zeigt die Anteile der Befragten in verschiedenen früher sozialistischen Löndern, denen es heute nach eigener Einschätzung schlechter, gleich gut, oder besser als “unter dem Kommunismus” geht. (Quelle: Pew Report 267-09, S. 5)


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